Pogo-Anarchia rettet Marktfrühschoppen in Marburg!

12.06.2008 - rs/hf/nb
Erstmals seit Jahren: Friede-Freude-Eierkuchen statt Trillerpfeifen und Randale.
Am Sonntag dem 3. Juli 2008 war es wieder soweit. Wie jedes Jahr bricht das erste Juliwochenende über die Einwohner unserer beschaulichen Mittelhessen-Metropole hinein und alle wissen, was gebacken ist:
Marburger Marktfrühschoppen!

Marktfrühschoppen Marburg 2008Marburger Pogo-Anarchisten lustig und vergnügt!

Eines der wenigen verbliebenen – quasi bundesligareifen – Freiluft-Sauf-Events. Drei Stunden konzentriertes Reißen in der 300ccm-Klasse bei bestem Wetter, malerischer Kulisse und viel Humpa-Humpa. Mehr müsste man zu dieser Veranstaltung eigentlich nicht sagen, um die Partygemeinde schon vorab in friedvolle Bierseligkeit einzunebeln.
Leider war diese Festivität in den letzten Jahren weit davon entfernt, ein Hort friedlichen Mit- oder Nebeneinanders zu sein, zog sie doch ob der Teilnahme national-sozialistisch gesinnter Menschen und Organisationen den Zorn international-sozialistisch gesinnter Menschen und Organisationen auf sich.

Marktfrühschoppen Marburg 2008Fanatischer Einpeitscher: Kamernosse Ritchi!

Die Folge war: viele friedliebende Bürger blieben diesem Kriegsschauplatz fern und stattdessen bevölkerten in Panzeranzügen schwitzende Polizeibeamte den Marktplatz im Überaufgebot, leider jedoch nicht, um zu zeigen, dass man auch in Leder und Hartkunststoff gut saufen kann, sondern um sich mit Personalkontrollen weitgehend unbeliebt zu machen, Bunthaarige, „links Aussehende“ und andere von der Veranstaltung fernzuhalten und grimmige Gesichter zu ziehen, was die Feierstimmung weiter senkte.
Erstmals im Jahre 2006 trat die frisch begründete schaumschlagende BurschInnenschaft „Pogo-Anarchia zu Marburg“ diesem Problem entgegen, indem die mutigen Männer und Frauen mit ihren maßgeschneiderten schwarz-weiß-schwarzen Coleurbändern friedliche Unterschiedlichkeit – DIE Grundlage der Balkanisierung – demonstrierten. Zunächst wurde dieser neue Aspekt des Marktfrühschoppens belächelt, teils verachtet und vor allem zu ignorieren versucht.
Das massierte und entschlossene Auftreten der Pogo-Anarchisten wurde am 4.7.2008 jedoch belohnt: Erstmals waren keine demonstrierenden Studenten anwesend, die bei Volksmusik und Sonne trinkende Gesellschaft mit Trillerpfeifen zu stören und die meist rechts-konservativen Verbindungen zu verhöhnen.
Die Stimmung war deutlich gelöster als sonst und man konnte erstmalig von einer wirklichen Volksfestatmosphäre sprechen. Dieses Phänomen ging eindeutig auf die vermittelnde Rolle der Pogo-Anarchia zurück, was sowohl von der örtlichen Polizei als auch vom linken sowie rechten Flügel bestätigt wurde.
Die Kamernossen, die getreu dem APPD-Motto „Saufen! Saufen! Jeden Tag nur Saufen!“ den eigentlichen Sinn des Marktfühschoppens auf einzigartige Weise zelebrierten, konnten damit den angeblich unzugänglichen anderen Verbindungsstudenten Begriffe wie Balkanisierung und Rückverdummung näher bringen und sie den gängigen Begriffen von „Treue“, „Ehre“ und „Vaterland“ schillernd entgegenhalten.

Marktfrühschoppen Marburg 2008Hier wird Politik gemacht: Pogo Prost!

Mit ihrem großen Aufgebot zeigte die Pogo-Anarchia allen, dass Kritik anders geht und dass diese sowohl Spaß machen kann als auch zur Einigkeit führt. Einigkeit steht hier für die Einigkeit über die Uneinigkeit zwischen verschiedenen Menschen, die sich, obwohl nicht einer Meinung oder gar natürliche Feinde, an diesem einen Tag gemeinsam die Hucke vollschütten können. Und das dank der unerschütterlichen „Extremen Mitte“.
Fazit für alle Beteiligten war sicherlich: politische Gegner sind keine Kriegsgegner und sollten sich auch nicht als diese betrachten. Oder schlagen Sie etwa Ihren Nachbarn krankenhausreif, weil er gegen die EU-Verfassung stimmt?
Mit volltrunkenen Grüßen

Die Marburger Pogo-Anarchisten!